Diese Seite ist dauerhaft "Under Construction" - Sie ist eine persönliche Sammlung von Gründen, warum die Welt anhalten sollte. Diese Seite ist bis auf weiteres vollständig persönlich und bedarf nach meinem Rechtsverständnis deshalb keinerlei Impressums. Auf dieser Seite publizierte eMailadressen erheben keinerlei Anspruch auf Beachtung oder Kontinuität und Anfragen werden nicht mit Sicherheit und schon garnicht mit Sicherheit zeitnah beantwortet.

Nach den kurzen Formalia nun zur Sache. "Stop this World" will ich vermitteln und ich bitte für die nächsten hoffentlich dauerhaft kurzen Zeilen um ungeteilte Aufmerksamkeit. Die Welt anhalten will ich wohl - doch ich weiß weder wie, noch was wir tun sollen wenn sie hält. Klingt dämlich auf den ersten Blick, das gebe ich offen zu. Aber ich glaube, gute Gründe für meinen Wunsch zu haben. Gründe, die wie ich glaube, nicht nur mich selbst, sondern auch andere davon überzeugen könnten, warum "Stop this World" häufiger gehört oder gelesen werden sollten.

Dieser Wunsch, vor allem ohne ein mögliches "wie" kann und soll durchaus auch im übertragenen Sinn verstanden werden. Wenn wir alle von heute auf morgen anhalten, würden wir vermutlich genauso draufgehen, wie wenn wir einafch weiter machen. Auch ich selbst will nicht von heute auf morgen garnichts mehr tun und schauen was passiert. Auch ich werde, ob diese Seite nun Beachtung findet oder nicht, irgendwie weiter machten wie bisher. Warum ich dennoch die Welt anhalten will, möchte ich zu Anfang aus meiner persönlichen Realität entwickeln.

Ich denke, ich wäre wohl fähig, in dieser Welt meinen Lebensunterhalt zu bestreiten -  kurz, ich denke ich könnte in dieser Welt leben. Ich würde möglicherweise nicht sonderlich reich werden, allein schon weil mir Konkurrenzdenken bis auf wenige Ausnahmen recht fremd ist. Genauso bin ich unsicher geworden, ob ich fähig bin, in dieser Welt glücklich zu werden, Zufriedenheit zu erlangen und mit mir selbst ins Reine zu kommen. Ich habe keine Ambitionen, meine Interessen immer und überall mit irgendgearteter Gewalt durchzusetzen und das macht mich in der heutigen Zeit vermutlich zwangsläufig zu einem Verlierer.
Gegen den Verlierer in mir spricht, daß ich durchaus willens und in der Lage bin, mich einzusetzen, wenn mir das Ziel lohnend erscheint. Und eine bessere Welt erscheint mir nicht zuletzt aus reinem Egoismus eine lohnende Sache. Egal ob ich seit zehn Jahren mit durchaus passablem Erfolg ein eigenes Unternehmen leite - ich stoße durch meine eigenen Fehler - und durch die Fehler anderer in dieser Welt mehr und mehr an Barrieren, durch die ich mich zwar, wenn ich es wollte, wohl hindurchmogeln könnte, es ist schlicht und einfach so, daß ich das nicht will. Meine Idealwelt sähe kurz gesprochen anders aus - sie jetzt zu beschreiben würde zu weit führen - allein es sei gesagt, daß ich sicher nicht ohne eigene Leistung im Luxus leben wollen würde. Mir würde eine Welt reichen, in der ich mehr als heute ich selbst sein könnte. In der meine Fehler und Schwächen als Faktum hingenommen und nicht von vorn herein als Makel verstanden werden.
Ich bin bereit für eine solche Welt einzutreten - eine Welt in der wir alle mehr als jetzt wir selbst sein könnten. Allein dieser Wunsch - ich geb' es ja zu - klingt nach kompletter Utopie.

Ich glaube, ja ich weiß ganz sicher, daß es heute mehr Verlierer als Gewinner gibt. Ein guter Freund von mir hat schon Recht: Es wird vermutlich immer Verlierer und Gewinner geben. Aber könnte man nicht dafür sorgen, daß sich das Verhältnis umkehrt - oder zumindest ausgleicht? Solange es passiert, ist mir das wie einigermaßen egal. Gewaltfrei und zu meinen Lebzeiten fände ich persönlich am wünschenswertesten. Meine Angst liegt in meinem Glauben, daß dieser Ausgleich gewaltsam und zu meinen Lebzeiten passieren könnte, wenn wir so weitermachen wie bisher. Und gleichzeitig in der Vorstellung, wie diese Welt aussehen wird, wenn dieser Ausgleich nicht herbeigeführt wird. Diese Angst ist keine Paranoia in meinen Augen, und ich bin fest entschlossen zu zeigen, daß sie real ist.

Entweder diese Welt wird auf irgendeine Weise zu einem Ausgleich kommen, oder aber diese weltweite Demokratie (von der ich trotz meiner wiederholten Behauptung, sie sei eigentlich garkeine) in einigen Aspekten durchaus noch überzeugt bin, wird sich in eine wirkliche Diktatur verwandeln. Nicht nur in eine Diktatur des Kapitals - in eine Diktatur der Starken gegen die Schwachen. Bis dies ganz und gar geschieht, müssen ohne Zweifel noch einige Hürden fallen. Das christliche Gebot der Nächstenliebe sind hier genauso auf meiner Seite wie die Aufklärung, die Erklärung allgemeiner Menschenrechte oder der menschliche Wunsch nach Freiheit. Ich denke, wir sind auf dem Weg, all diese Errungenschaften zu verlieren. Religionen sind vielfach längst nichts mehr als Rechfertigungen für Terror oder Unterdrückung aus anderen Gründen. Und es scheint mir, als seien auch Menschenrechte in vielen Fällen nur Worte, ohne allgemeinen gültigen Inhalt. Wir Menschen sind Meister, wenn es darum geht, Ideale unter Pragmatismus zu beerdigen und uns dann darum noch gut zu fühlen, weil wir diese Ideale einmal besessen haben oder angeblich unveräußerlich besitzen.

Ich komme mir ehrlich gesagt ein wenig dämlich vor, wenn ich mich passagenweise anhöre wie die Theisten dieser Welt. Muß man an einen Gott glauben um in Kategorien von Gut und Böse zu denken oder  die Menschen in starke oder schwache zu unterteilen? Mir ist klar, wie relativ diese Begriffe sind, aber genauso offensichtlich scheint mir, daß wir alle miteinander einen gewissen moralischen, einen, wie ich glaube durchaus definierbaren Katalog ethischen Konsenses besitzen. Ich glaube nicht daran, daß die Terroristen dieser Welt sämtlich Verbrecher sind, die jedem Friedensangebot gegenüber abgeneigt sind. Ich glaube nicht daran, daß islamische Moralvorstellungen nicht mit christlichen oder atheistischen vereinbar sind. Es muß eine Schnittmenge der Einigkeit geben und genau diese Schnittmenge müsste, so denke ich, die moralische Basis dieser Welt werden. Aber doch gehe ich nicht so weit zu fordern, daß wir uns alle auf diese Schnittmenge einigen und alles andere als moralischen Ballast wegwerfen sollten.
Freiheit bedeutet im Extremfall, in einem Land leben zu wollen, in dem Ehebrecherinnen gesteinigt werden. Ich könnte damit leben, solange man bereit ist, jede Frau, die ein solches Schicksal ereilen soll, vor der Hinrichtung vor die echte Wahl zu stellen, diese Gesellschaft statt dessen für immer zu verlassen. Ich bin für maximale Toleranz - solange ihre Verwirklichung nicht andere Menschen einschränkt. Die Frau, die nach einem Urteil die Steinigung wählt - wählt (so wäre meine ideale Hoffnung) diese Strafe in der Überzeugung, sie verdient zu haben. Vielleicht wird in einer solchen Welt niemand mehr gesteinigt, weil treue Menschen muslimischen Glaubens unter sich sein werden - und in der die anderen in einer Welt leben, in der zwischenmenschlicher Betrug in Ordnung ist und man das Risiko schlicht eingehen muß.

Dieses Beispiel ist nur eines von vielen - und ich habe versprochen, mich kurz zu fassen. Ich hoffe, meine Idee ist deutlich geworden. Ich habe das Gefühl, daß wir offenbar Regeln brauchen. Welcher Art diese Regeln sein sollten - ich weiß es nicht. Ich weiß nur, daß das globale Dorf Erde zum einen in Regeln erstickt, zum anderen jedoch in wichtigen Bereichen von einer Regellosigkeit beherrscht wird, die uns Menschen mehr und mehr Probleme bereitet. Ich habe Angst, daß wir zu oft handeln, ohne nachzudenken. Und ich habe Angst, daß wir irgendwann, eher früher als später, in eine Richtung handeln werden, die uns nicht gefallen wird. Revolution - Bürgerkrieg - Krieg - Weltkrieg. Das sind die Schlagworte, die ich fürchte und deren Vorboten ich schon zu spüren meine. Die Auswirkungen solcher Entwicklungen brauche ich nicht zu erläutern - sie bedeuten kurz gefasst das Ende unserer gegenwärtigen Zivilisation.

Vielleicht muß das ja ohnehin geschehen. Vielleicht sind wir einfach schon zu viele als daß wir friedlich miteinander leben könnten. Vielleicht können wir so unmöglich friedlich miteinander leben und die Menschheit, sollte sie eine zweite Chance erhalten, muß erst wieder einzeln und weit verstreut anfangen, soziales Verhalten auf einer komplett anderen, einer viel primitiveren Stufe, neu zu erlernen. Vielleicht braucht die Utopie einer besseren Welt einen Atomkrieg - weil eine friedliche Umkehr zum Besseren in der gegenwärtigen Situation nicht denkbar ist. Dies zeigen sowohl moderne Utopien wie Startrek als auch religiöse Vorstellungen wie das jüngste Gericht - und diese Vorstellung ist verdammt nochmal schon 2000 Jahre alt. Kriegen wir Menschen es einfach nicht hin? Waren wir immer Arschlöcher, sind wir es noch heute und werden wir es für den Rest unserer Existenz sein?

Wir wollen es wohl alle nicht. Weil wir haben vermutlich alle eine Idee des Guten. Und der Großteil von uns, wenn nicht ebenfalls alle von uns haben uns dem Guten verschrieben - was immer jeder einzelne von uns darunter verstehen mag. Wollen war schon immer stärker als Können und wir Menschen haben uns schon seit dem Beginn unserer Existenz auf die eine oder andere Weise mit unseren vielfältigen Fehlern auseinander gesetzt. Und ich tue dies auch, sehr intensiv sowohl persönlich als auch mit allgemeinen menschlichen und gesellschaftlichen Fehlern. Es ist sehr wohl Ethik und Moral die mich beschäftigt, es ist aber auch jeder andere menschliche Fehler, der mich interessiert. Weil ich nach Wegen suche, mit meinen eigenen Fehlern, genauso wie den Fehlern aller anderen Menschen umzugehen. Egal mit welchen anderen Menschen ich sozial interagiere, es dauert meistens nicht lange, bis meine eigenen Fehler und die Fehler des anderen in irgendeiner Weise zu einem Konflikt führt. Die meisten Konflikte bin ich imstande zu lösen - ich habe bisher, so hoffe ich, nicht allzu viele ernsthafte Feinde, aber dennoch habe ich das Gefühl, daß die Zahl von Konflikten zunimmt.
Daß ich mit diesem Problem nicht allein bin, beweist mir schon allein die Häufung der medialen Präsenz des Terminus "Konflikt". Wir kommen offensichtlich nicht so wirklich miteinander klar. Der Sinn dieser Seite ist, diesen Status quo zu ändern. Ich weiß nicht ob es geht - und ich weiß schon garnicht wie. Meine Grundidee ist, gemeinschaftlich anzuhalten. - quasi eine Atempause zum Nachdenken. Und für diese Idee versuche ich, plausible Gründe zu entwickeln, um die Mehrheit der Menschen auf diesem Planeten zu überzeugen. Dabei bin ich zwangsläufig auf Mithilfe angewiesen.

Um Hilfe zu bitten fällt mir persönlich schwer - und die meisten von uns nehmen zwar Hilfe an, sind aber vermutlich dennoch in den meisten Fällen ein wenig unbehaglich beim Gedanken darauf, auf andere angewiesen zu sein. Der andere Grund ist, daß ich nicht klingen will wie Jimmy Wales. Ich will keine große Organisation leiten, die die Welt anhalten will. Ich will auch kein Guru sein, der von einer großen Anhängerschaft angebetet wird. Wenn irgendjemand mit zu viel Geld mir Geld spenden will um die Welt anzuhalten, so werde ich es unter Garantie annehmen, und ich gebe offen zu, daß ich einen gewissen Betrag, den ich erst rechnerisch definieren müßte (erste Schätzung: minimum 300-100, maximum 3000 - 5000 €, je nach meinem zeitlichen Einsatz für das Anhalten dieser Welt) pro Monat für meinen eigenen Lebensunterhalt verwenden werde. Durchaus ein großer Luxus für die meisten dieser Welt, aber im Vergleich zu den Extremen hoffe ich bescheiden. Ich glaube ernsthaft, mit einem derartigen Betrag materiell betrachtet glücklich werden zu können. Sämtliche Spenden, die über diesen Betrag hinaus gehen, und die mit der Absicht gespendet werden, meinen Wunsch nach einem geistigen und stofflichen Anhalten dieser Welt zu unterstützen, werden überprüfbar und transparent von mir an Organisationen übergeben, die bereit sind, sich diesem Ziel zu verschreiben. Daß sämtliche derartige Organisationen vollständige Transparanz über ihre Finanzen als Voraussetzung haben versteht sich an dieser Stelle von selbst.

Eigentlich aber möchte ich nicht um materielle, sondern um geistige Hilfe bitten. Ich will, daß sich der Wunsch, die Welt anzuhalten verselbstständigt, und auf jede denkbare Art auf eben dieser verbreitet. Und ich halte das Internet für das perfekte Medium, weil es fast unendliche Möglichkeiten bietet, seine persönliche Meinung öffentlich und kostenfrei zu äußern. Ich persönlich werde - und hoffentlich ziehe ich das wirklich durch, also ab heute jeden "Mist" hier veröffentlichen, der mir über den Weg gelaufen ist und von dem ich meine, daß er ein Grund, ein Anzeichen dafür ist, die Welt anzuhalten.
Aber ich bin nicht größenwahnsinnig und mir klar ist, daß ich vermutlich noch so viel schreiben kann - es wird die Welt allein nicht anhalten. Ich habe weder Zeit noch Lust, aus dieser Seite ein Forum zu machen, Meinungen zuzulassen die "Sinn" machen, vermutlich hinzukommenden Unsinn, Beleidigungen und Anfeindungen herauszufiltern, schlicht - die Diskussion über das Anhalten der Welt zu zensieren oder die Diskussion zu leiten. Ich habe einen anderen, einen einfacheren Vorschlag.

Die Botschaft ist klar: Stop this World. Sie ist einfach und simpel und jeder, der es möchte, kann unter diesem pazifistischen Schlachtruf seine eigenen Gedanken offenbaren. Ob es nun eine Facebookseite oder ein Schriftzug im Sand ist - allein diese Botschaft möchte ich verbreiten. Weil ich einfach daran glaube, daß es richtig ist. Ich halte es für sehr wahrscheinlich, daß es viele gibt, die denken wie ich. Genau Euch möchte ich finden und Euch dazu bringen, mit mir zu schreien. All diejenigen, die die Hoffnung nicht verloren haben und die genug Idealismus besitzen, für eine bessere Welt die Stimme zu erheben. Vermutlich verwandelt sich Idealismus immer mit steigendem Alter in Pragmatismus, wenn ich damit Recht habe, seid ihr alle junge Menschen. Und da ich selbst offenbar zu blöd bin, Botschaften einfach zu vermitteln, sind es vermutlich eher die intellektuellen Idealisten, die meine endlosen Satzkonstrukte bis zum Ende lesen. Die Wahl der deutschen Sprache reduziert meine Leserschaft erneut - und doch....ich halte es für realistisch, daß es funktionieren könnte. Und daß die Welt anzuhalten zu einem hörbaren Wunsch auf dieser Welt wird.

Wir haben im Laufe der Geschichte eindrucksvoll gezeigt, daß wir zu Protesten fähig sind. Ich möchte mit dieser Botschaft eine universelle Basis für Protest vermitteln, die frei von Einzelinteressen nach mehr Gerechtigkeit und größerer Rücksicht auf unsere Natur verlangt. Ich weiß, daß dieser Protest schon aus tausenden Federn und Millionen Kehlen vor mir formuliert worden ist. Ich will dafür sorgen, daß wir mit einer Stimme schreien - weil ich glaube, daß wir uns im Großen und Ganzen auf eine Richtung einigen könnten. Anhalten - nachdenken - und dann neu anfangen. Neu verteilen, wenn es nötig ist und vielleicht auch neue, für manche von uns unangenehme Wege gehen. Das wäre mein Vorschlag, weil ich Angst habe, daß uns der derzeitige Weg zum Teufel schickt. Auf welche Weise auch immer.

Möglichkeiten, meine Idee zu unterstützen gibt es viele. ein /stopthisword/ hinter einer Webseite mit ein paar eigenen, gerne auch kritischen Gedanken - T-Shirts, Lieder oder Filme. Schreibt und singt, meinetwegen rappt es oder stecht es Euch in die Haut wenn es sein muß - schreit es über Straßen und Plätze oder pinkelt es betrunken in den Schnee. Wenn ihr daran glaubt, daß gerade einiges grundlegend falsch läuft - dann tut irgendwas, das diese Idee verdeutlicht - nicht, weil ich unbedingt berühmt werden muß, sondern weil es, so denke ich, der einzige Weg ist.

Ein weiterer Grund, der mich um Hilfe bitten lässt, ist eine Mischung aus leichter Paranoia gepaart mit dem Wunsch nach einem ruhigen und konfliktfreien Leben. Sollte sich der Ruf nach einem Stop der Welt verselbstständigen, würde ich persönlich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Wenn diese Forderung einmal die breite Öffentlichkeit erreicht hat, macht es keinen Sinn mehr, mich zu beseitigen, schlicht und ergreifend, weil ich, außer einem leidlichen Talent zu schreiben, keine für die Durchführung notwendigen Fähigkeiten auf mich vereinige. Und wenn genügend andere Stimmen existieren - kann ich selbst aufhören zu schreien und mein Leben weiter leben. Das wäre um ehrlich zu sein mein Wunsch. Ich habe tatsäcnlich nicht den Wunsch nach globaler Berühmtheit - und das Maß meines Bedürfnisses nach Sozialem lässt mich in einer vollständig übersozialisierten Welt vermutlich fast schon asozial erscheinen. Versteht mich nicht falsch - ich bin bereit, diese Idee mit Rat und Tat zu unterstützen, immerhin ist sie ja doch irgendwie von mir. Aber ich will eigentlich nur den Stein ins Rollen bringen - und dann ein normales Mitglied dieser veränderten, dieser besseren Welt sein, nicht ohne meinen Teil dazu beizutragen, daß sie eine bessere bleibt.

An diesem Punkt beende ich die dringliche Bitte um Aufmerksamkeit. Alles andere, was auf dieser Seite niedergeschrieben ist und noch werden wird, sind sozusagen optionale Informationen. Es sind die Gedanken eines Menschen, der verzweifelt ist, weniger über sich und sein Leben als über die Gesamtsituation. Ich habe in vielfacher Hinsicht keine Lust mehr und so werde ich hier nach und nach all das auflisten und beleuchten, was mir an dieser Welt - und auch an mir selbst - falsch vorkommt. Alles wird unter dem Gesichtspunkt stehen, daß eine weniger schnelle, hektische und perfektionsgetriebene Welt für mich und vielleicht für die Mehrheit von uns besser wäre. Und daß es möglich sein sollte, ein höheres Maß an Gerechtigkeit zu realisieren als es heute der Fall ist. Es ist eine primitive Form des Blogs und genau so soll es auch verstanden werden. Als ein Tagebuch meiner persönlichen Realität, die jedoch abstrahiert hoffentlich das Leben vieler Menschen darstellt und beschreibt. Es ist eine ausdrücklich fehlerhafte, unvollständige, sich verändernde und willentlich anti-perfektionistische Grund-Sammlung dafür, die Welt anzuhalten. Und sie wird so lange wachsen, bis ich kapituliere oder bis diese Welt angehalten hat.

Es ist ein einsamer Ruf ins dunkle Öffentliche - ein Ruf nach mentaler, geistiger und moralischer Gesellschaft und Gefolgschaft. Ich erwarte nicht, innerhalb von Wochen auf www.whitehouse.gov/stopthisworld/ (sinnvolle) Inhalte zu finden, und ich glaube auch nicht, daß Sicherheitskräfte dieser Welt allzu bald irgendwo einen Zettel finden werden, auf dem zu lesen ist, daß man sich entschieden hat, auf Anschläge zu verzichten, weil es den öffentlichen Wunsch gibt, die Welt anzuhalten. Ich bin bereit, klein anzufangen und ich bin neugierig, was passieren wird. Passt auf Euch auf da draußen - weil bis heute werden wir noch jeden Tag schneller, anstatt langsamer zu werden.



Zukünftige Beschäftigungsfelder (Stichwortartig)

Glücklich sein - Was zum Teufel mach' ich falsch?

Philosophie  - Wo ist da eigentlich der Sinn?

Zeitmanagement - Warum wir in langweiligen Zeiten leben.

Spaßkultur - Entertainment pur auf allen Kanälen - Warum bin ich so blöd und mach nicht einfach mit?

Tierschutz (Oder: Warum wir Menschen offenbar doch nur in Extremen denken können)

Nur in Extremen? Wohl kaum auf den ersten Blick. Die allermeisten von uns sind tierlieb und essen Fleisch, es gibt ein paar Vegetarier, ein paar Veganer, ein paar radikale Tierschützer und ein paar wenige, denen es Spaß macht, Tiere zu quälen und die faunale Vielfalt auf diesem Planeten konsequent zu verringern.

Und doch stehe ich zu meiner Behauptung. Weil wir uns mal wieder alle zusammen etwas vormachen. Weil die vermutliche Wahrheit unangenehm klingt und wir Unangenehmes gerne und quasi gezwungen verdrängen. Unser Verhältnis zur Fauna dieses Planeten ist ein Beispiel von vielen. Und wenn wir anhalten, könnten wir uns darüber gleich auch noch Gedanken machen.

to be continued....

13.11.2010 - Kapitalismus (oder: Der Versuch eines Beweises, daß wir nicht in einer Demokratie leben) (unvollendet)

So lange ich schon den Gedanken hege, meine persönliche Kapitalismuskritik zu verfassen, so sehr bewegen mich zwei Fragen, die einander ausschließen - es sind zwei Möglichkeiten, die direkt mit dem Wahrheitsgehalt meiner Gedanken zusammen hängen:

1. Ich zweifle - wie jeder normale Mensch- an meinen Fähigkeiten und in Bezug auf diese Ideen bedeutet dies, daß ich mich frage, ob meine Gedanken objektiv und richtig sind und ich die Situation so darstelle, daß eine Mehrheit auf dieser Welt meiner Beschreibung beipflichten würde. Wenn ich in Wahrheit ein idealistischer Idiot bin, so erübrigt sich Frage 2. Gesetzt den Fall, ich bin es nicht, dann...

2. Sollte ich (wie schon viele andere vor mir) die Sache auf den Punkt getroffen haben und sollte es mir gleichzeitig gelingen, diesen großen Sachverhalt derart herunterzubrechen, daß die in ihm enthaltene Ungerechtigkeit offenbar genug wird - ja was dann? Stoppt dann diese Welt? Oder bin ich ganz schnell weg vom Fenster?

Wie schnell ist ein demokratischer Staat westlicher Ausformung bereit, den Begriff des geistigen Terrors zu prägen und zu verfolgen? Würde ich in diesem Blog zum Heiligen Krieg aufrufen, so sind vermutlich eine große Zahl von Gesetzeskonstrukten dafür geschaffen worden, seine Existenz zu illegalisieren und ich würde mich in jeder Gesellschaft in Haft befinden. Und deutsche Haftbedingungen sind nicht einmal das Schlimmste was ich mir vorstellen kann, ohne besonders paranoid zu sein. Amerikanische Expräsidenten dürfen körperliche Folter in ihren Memoiren öffentlich rechtfertigen ohne angeklagt zu werden. Aber ich muß nicht einmal über den Ozean blicken. Der Neue Politstar unserer Zeit schafft es offenbar ohne großen Widerstand, militärische Maßnahmen zum Schutz von wirtschaftlichen Interessen salonfähig zu machen. und wenn mir in diesem Land noch nie auch nur ein einziges Wort der Kritik an der Mission Atalanta zu Ohren gekommen ist - schlicht und ergreifend, weil es Common Sense ist, die Piraten vor Somalia als gewöhnliche Verbrecher zu bezeichnen, dann frage ich mich ernsthaft, wie gut es ist, offen zur Revolution aufzurufen. Das Internet ist an dieser Stelle mein Freund - die Öffentlichkeit gewährt eine Art des Schutzes - zumindest des Schutzes dieser Gedanken. Und sollte ich wirklich draufgehen - so wäre dies nur ein ironischer Beweis dafür, daß ihr nicht mit mir einer Meinung seid - erbärmlich wäre nur, wenn mich irgendwelche Rechten um die Ecken bringen würden, weil ich irgendwo später schreibe, daß wir weißen Herrenmenschen für die Neger auf dieser Welt zurückstecken sollten.

Ich will diese Land sicher nicht zugrunde richten.

Legalität ist es, die mich durchaus bewegt - nicht weil ich aus Prinzip die bestehenden Gesetze befolgen möchte, aber weil ich durchaus davon überzeugt bin, daß wir Menschen Gesetze nötig haben. Ohne ein von Kindesbeinen an anerzogenes Wertesystem würden wir vermutlich wirklich alle tun was wir wollten - und wir hätten Raub, Mord, Krieg und Barbarei. Will ich das - mit Sicherheit nicht.
Wenn aber Legalität ein Deckmantel dafür ist, Menschen auszubeuten und um ihre Grundrechte zu betrügen (die ich an dieser Stelle unhinterfragt als gegeben ansehe), dann kann ich nicht anders als mich gegen diese Gesetze auszusprechen. Ich will, wie man der Adresse dieser Seite unschwer entnehmen kann, die Welt anhalten. Ich weiß nicht wie, zugegeben, aber ein Anhalten und ein Generalstreik erscheinen mir ansatzweise kompatibel, der jedoch in diesem Land gegen das Recht ist. Ich frage an dieser Stelle warum, ohne eine Antwort zu erwarten - diese Tatsache ist ein weiteres Puzzleteil des Gesamtbildes - nicht mehr und nicht weniger. Würde ich mich strafbar machen, wenn ich zum Generalstreik aufriefe? Wohl nur wenn ich die

Aber kommen wir von der Theorie kurz in die Praxis. Leben wir in einem Staat in dem Gleichheit und Gerechtigkeit herrscht? Herrschen sollte? Wie kann es dann sein, daß Magazine wie N-TV Deluxe existieren, quasi ein Werbemagazin für Superreiche. Wie kann es sein, daß wir Menschen allein deshalb bewundern, weil sie reich sind? Es muß wohl so sein, daß wir Erfolg als etwas positives ansehen. Daß Erfolg und Reichtum Hand in Hand gehen - und wir


Ein entbehrungsreiches Leben zu führen ist vielen von uns ein Begriff.

Ich persönlich möchte momentan in Zeiten der angeblichen Krise nicht dafür bezahlen, wenn am LHC irgendwo zwischen Schweiz und Frankreich Bleiionen gegeneinander geschossen werden. Die Millionen oder Millarden, die meine Regierung in dieses Projekt steckt soll sie gefälligst für IRGENDETWAS ausgeben, aber nicht für ein Projekt ohne jeglichen praktischen Nutzen bezogen auf unsere derzeitigen Probleme.
Und ich bin gerne Bereit jeglichen Nutzen zweimal oder auch zweihundertmal zu überprüfen. Wenn wir ein Raumfahrtprogramm dafür brauchen um unsere Spezies und viele andere davor zu retten durch den nächsten Kometen ausgelöscht zu werden - meinetwegen.  Aber allein das Argument, daß das Raumfahrtprogramm quasi als Overhead eine Fülle neuer und praktischer Technologien hervorgebracht hat greift bei mir nicht als Rechtfertigung für Millardenausgaben. Weil es meiner Meinung nach ja ohnehin zu schnell geht. Ist unser Wissensdrang so pathologisch geworden, daß wir Forschung per se für richtig und vor allem gerechtfertigt halten, nur weil sie uns neues Wissen aufzeigt? Ist es wirklich nötig, zu erforschen, wie das Sozialverhalten von Ameisen funktioniert oder das von Singvögeln?  Vielmehr stelle ich die Frage: Ist es unbedingt nötig, dies alles jetzt zu erforschen? Sollte dieser dämliche Beschleuniger (alle an ihm forschenden Wissenschaftler mögen mir verzeihen, daß ich ihren armen Apparat derartig in den Dreck ziehe) auch nur einen Tag laufen und Strom verschwenden, wenn die Strompreise angesichts einer Umweltpanik in die Höhe schießen, sollte er dann laufen, wenn auf Haiti Hunderte an Cholera zugrunde gehen oder in Afrika Kinder verhungern?

Die "Wissenschaftscommunity" möge mir vergeben und sie möge mich vor allem nicht falsch verstehen: Ich habe noch nie etwas gegen Forschung gehabt. Als überzeugter Agnostiker ist es mir vollkommen egal, ob ein göttlicher Plan existiert oder nicht oder ob man diesen ergründen oder lediglich erfurchtsvoll betrachten sollte - und an der Forschung nach neuem Wissen kann ich grundsätzlich nichts schlechtes finden. Fakt ist wohl, daß zum einen Forschung heutzutage viel öfter zweckgerichtet ist und ihr Forscher vermutlich in den wenigsten Fällen den Zweck hinterfragt. Wenn dieser Zweck nur das reine Gewinnstreben von Konzernen ist - kann ich daran nichts gutes finden, selbst wenn die gefundenen Medikamente Krebs bekämpfen können.

Paranoides Intermezzo: Wie kann ich (man) Pharmakonzernen, die unserem Wirtschaftssystem unterworfen sind und aufgrund der Komplexität der von ihr erforschten Materie schwer kontrollierbar sind, Vertrauen schenken? Das Geld, daß mit Krankheiten verdient wird, ist vermutlich weit mehr als das, daß weltweit zur Ernährung ausgegeben wird. So wenig ich diese Vermutung belegen kann oder will, so scheint allein die oberflächliche Plausibilität dieser Tatsache erschreckend. Es erscheinen mir nur drei mögliche Gründe dafür:
1. Die Maschine Mensch ist derartig fehlerhaft, daß wir immer und überall nachbessern müssen, zu funktionieren. Eine durchaus mögliche These, die
2. Wir machen grundsätzlich etwas falsch. Zu viele Antibiotika bei uns in der Zivilisation, zu wenige bei denen, die elendig an "harmlosen" Infektionen verrecken. Zu ungesunde Lebensweise in allen Aspekten - zu ungesunde Ernährung, zu hektische, ruhelose Lebensweise - es mag hierfür noch viele Beispiele geben.
3. Wir werden auch an dieser Stelle verarscht. Verarscht von Konzernen, die in Wirklichkeit lediglich daran interessiert sind, unsere Leiden gegen Geld zu lindern und nicht daran, sie zu kurieren. Was brächte es der Pharmalobby, Demenz oder Krebs zu kurieren? Würde es nicht viel mehr Sinn machen - einen Virus wie HIV in diese Welt zu entlassen ( als diese Seuche ein für allemal auszurotten? Auch diese Gedanken sind mit Sicherheit schon hier und da geäußert worden. Aber wurden sie jemals ernst genommen und anhand von Fakten überprüft? Oder klingen derartige Gedanken viel zu sehr nach paranoider Spinnerei als daß man sie ernst nehmen könnte?

Mal ganz im ernst. Wieviel Ahnung hat die Pharmabranche von dem was sie da tut. Warum müssen Medikamente jahrelang getestet werden, bevor sie zugelassen werden? Warum müssen Tiere dafür sterben, vermutlich sind es so viele, daß ganz Afrika jeden Tag eine warme Fleischmahlzeit erhalten würde, würde man sie für einen anderen Zweck töten. Ohne eine Ahnung von der Materie, nur mit Basiskenntnissen in Chemie und Biologie, legt die reine Logik, das reine Nachdenken über einen solchen Fakt nahe, daß in den Pharmalabors dieser Welt mit hochbezahlten Spitzenkräften versuchen, anhand von Indizien und mit der Hilfe von natürlichen Vorbildern mehr oder weniger Roulette spielen und hoffen, daß bei all den chemischen Verbindungen, die sie ausprobieren, etwas sinnvolles heraus kommt. Wir Menschen standen der Kompexität der Natur schon immer ziemlich hilflos gegenüber. Und daß wir jedes Detail unbedingt jetzt ergründen, daß der naturwissenschaftliche Fortschritt sich mit gleicher, ja mit wachsender Geschwindigkeit fortbewegen kann, halte ich persönlich schlicht für unmöglich. Und auch nicht unbedingt für gut, weil ich glaube, daß er uns Menschen schon jetzt bei Weitem überfordert.

Ich wehre mich ausdrücklich dagegen, in eine Ecke mit Rückständigen oder Fanatikern gestellt zu werden, die Fortschritt per se für falsch halten. Ich bin lediglich der Auffassung, daß wir Menschen von dem Fortschritt den wir vollbringen auch langfristig profitieren sollten. Und spätestens seit der Erfindung der Atombombe haben wir Menschen die Möglichkeit, uns nachhaltig und großflächig zu vernichten und wir sind offenbar noch nicht "erwachsen" genug, um die Finger von dieser Möglichkeit zu lassen.

Vielleicht muß das ja ohnehin geschehen. Vielleicht sind wir einfach zu viele als daß wir friedlich miteinander leben könnten. Vielleicht können wir nicht friedlich miteinander leben und die Menschheit, sollte sie eine zweite Chance erhalten, muß erst wieder einzeln und weit verstreut anfangen, soziales Verhalten auf einer komplett anderen, einer viel primitiveren Stufe, neu zu erlernen. Vielleicht braucht die Utopie einer besseren Welt einen Atomkrieg - weil eine friedliche Umkehr zum Besseren in der gegenwärtigen Situation nicht denkbar ist. Dies zeigen sowohl moderne Utopien wie Startrek als auch religiöse Vorstellungen wie das jüngste Gericht - und diese Vorstellung ist verdammt nochmal schon 2000 Jahre alt. Kriegen wir Menschen es einfach nicht hin? Waren wir immer Arschlöcher, sind wir es noch heute und werden wir es für den Rest unserer Existenz sein?

Wir wollen es wohl alle nicht. Weil wir haben vermutlich alle eine Idee des Guten. Und der Großteil von uns, wenn nicht ebenfalls alle von uns haben uns dem Guten verschrieben - was immer jeder einzelne von uns darunter verstehen mag. Wollen war schon immer stärker als Können und wir Menschen haben uns schon seit dem Beginn unserer Existenz auf die eine oder andere Weise mit unseren vielfältigen Fehlern auseinander gesetzt. Und ich tue dies auch, sehr intensiv sowohl persönlich als auch allgemein mit menschlichen Fehlern. Es ist sehr wohl Ethik und Moral die mich beschäftigt, es ist aber auch jeder andere menschliche Fehler, der mich interessiert. Weil ich nach Wegen suche, mit meinen eigenen Fehlern, genauso wie den Fehlern aller anderen Menschen umzugehen. Egal mit welchem anderen Menschen ich sozial interagiere, es dauert meistens nicht lange, bis meine eigenen Fehler und die Fehler des anderen in irgendeiner Weise zu einem Konflikt führt. Die meisten Konflikte bin ich imstande zu lösen - ich habe bisher, so hoffe ich, nicht allzu viele ernsthafte Feinde.

Daß ich mit diesem Problem nicht allein bin, beweist mir einzig und allein die Häufung der medialen Präsenz des Terminus "Konflikt". Wir kommen offensichtlich nicht so wirklich miteinander klar. Der Sinn dieser Seite ist, diesen Status quo zu ändern. Ich weiß nicht ob es geht - und ich weiß schon garnicht wie. Ich finde, wir sollten gemeinschaftlich anhalten. Und für diese These versuche ich, plausible Gründe zu entwickeln, um die Mehrheit der Menschen auf diesem Planeten zu überzeugen. Dabei bin ich zwangsläufig auf Mithilfe angewiesen.

Von der Finanzkrise will ich garnicht erst reden. Oder doch - ein bisschen vielleicht.

Vermutlich wurde ja wirklich getan, was getan werden mußte, weil diese Welt derartig in ihrer eigenen Erscheinung verstrickt ist, daß ein Zusammenbruch des globalen Finanzsystems in Kriegen und Revolten resultiert hätte. Wir sind noch nicht so weit, unsere Konflikte global friedlich zu lösen. In keiner Gesellschaft dieser Welt sind wir das. Die Äußerungen eines zu Guttenberg oder die Taten eines Barak Obama beweisen mir dies auf drastische Weise. Gewalt erzeugt immernoch Gegengewalt - egal für wie zivilisiert oder kultiviert wir uns halten mögen. Also halten wir das System so wie es ist, irgendwie am Laufen - weil eine drastische Veränderung vermutlich in Gewalt enden oder mit ihr einher gehen würde, versteh' ich das richtig?

Wenn ich das falsch verstehe - dann wurde ich, wurden wir Deutschen, wurden wir alle auf dieser Welt wieder einmal gehörig beschissen. Weil wir nämlich die Zeche dafür zahlen, daß ein Verein raffgieriger Aristokraten mitsamt ihrer Helfershelfer das gegenwärtige System des Besitzes (Kapitalismus) in einer Weise überreizt haben, daß es zwangsläufig kollabieren mußte. Und anstatt dieses System einfach verrecken zu lassen, wie man es mit falschen, mit schlechten Dingen für gewöhnlich tut, haben wir es mit Millardensubventionen aufgepeppelt wie ein unschuldiges krankes Kind und die Belohnung ist, daß diejenigen, die das Versagen zu verantworten haben, genauso weitermachen wie bisher. Wenn die Abgaben, die ich für diesen Bockmist meinem Staat zu entrichten habe auch nur irgendetwas mit Demokratie zu tun hätten, dann würde ich sie nicht zahlen. Ich möchte nicht ins Blaue vermuten, aber würde man den Menschen in diesem Land diese Frage stellen, dann würde vermutlich keiner sie bezahlen. Weil wir mit überwältigender Mehrheit erklärt hätten, daß wir nicht bereit sind, dieses System in dieser Form zu retten. Wir revoltieren nur nicht, weil die Komplexität dieses Systems derart groß ist, daß wir in der Mehrheit den Beteuerungen Glauben Schenken, derartiges Handeln sei alternativlos.

Mein Verständnis einer Institution Staat ist schon lange hinten und vorn nicht mehr mit der Realität deckungsgleich. Ein Staat, so glaubte ich immer, soll seine Bürger schützen.

Wenn im Steuersystem Gerechtigkeit herrschen würde, so wie ich Gerechtigkeit verstehe, dann würde sich die Schere zwischen arm und reich schließen. Ich rede sicher nicht davon alle Millionäre Deutschlands an den Pranger zu stellen und hinterher zu erschießen, ihr Vermögen einzuziehen und an die "Armen" zu verteilen. Aber in meinemVerständnis würde ein gerechtes Steuersystem die Reichen zu Teilen enteignen, keine Frage. Nicht sofort, aber mit der Zeit. So linksradikal diese Forderung klingen mag - es kann doch nicht angehen, daß Politiker die Parole "Leistung muß sich lohnen" verbreiten können und mit diesem Lohn in vielen Fällen ein Allmosen meinen, das dieses System für die vielen kleinen Rädchen übrig hat, die Tag für Tag durch harte Arbeit dafür sorgen, daß sich die großen Räder weiter drehen können. Es kann doch nicht gerecht sein, wenn diejenigen, die sich um Alte und Kranke Menschen kümmern einen Gegenwert erhalten, der es ihnen selbst nicht erlaubt, im Alter auf ähnliche Leistungen zurück zu greifen. Es kann nicht fair sein, wenn diese Mischung aus Kapitalismus und Demokratie nichts anderes erzeugt, als eine Horde vermeintlich freier Arbeitssklaven, die nach wie vor für eine Klasse von Reichen (Herrschenden) ein stupides Leben durch stupide Arbeit fristen und dafür mit einem Hungerlohn abgespeist werden.

Ich gebe zu, ganz so schlimm ist es - zumindest auf dieses Land bezogen - nicht. Ich sehe noch die Mittelschicht, ich sehe Sozialsysteme und staatliche Fürsorge. Ich sehe nur gleichzeitig eine Welt der Kontraste - ich sehe überall offene Armut

Vor allem sehe ich, daß es schlechter wird. Seit dem letzten menschlichen Supergau (WW 2) hat sich in diesem Land zweifellos viel für die Masse der Menschen getan. Durch eine blühende Wirtschaft kamen wir alle in den Genuß von Krankenversicherungen und Sozialleistungen - ja ein funktionierender Kapitalismus hat in der Tat den versprochenen Wohlstand für alle greifbar gemacht. Aber schon seit einiger Zeit geht dieses System öffentlich und dennoch leise vor die Hunde.

Die Veränderungen, die jetzt passieren entrechten die, die wenig haben immer mehr. Ein menschenwürdiges Leben



Ein wenig Paranoia zum Schluß: Ich behaupte weiterhin, daß wir in einer Diktatur des Kapitals leben. Und da Geld allein nie auf die Idee käme zu herrschen, werden wir folglich von denen beherrscht, die Geld haben. So war es schon so gut wie immer - und so soll es nach dem Plan dieser Reichen vermutlich auch immer weiter gehen. Die gesamte Welt, vornehmlich die westliche, ist schon jetzt voll und ganz diesem Plan verpflichtet - weil ihr gesamtes System die Herrschaft der Reichen unterstützt und festigt. Chancengleichheit erhalten diejenigen, die sich den Spielregeln dieses Systems unterwerfen - sie bekommen das, was sie nach den Maßstäben dieses Systems verdienen. Die Gewinner sind die Intelligenten und gleichzeitig Skrupellosen - was mit dummen Schafen passiert oder denen, die aus vielfältigen Gründen mit diesem System nicht leben können oder wollen wissen wir alle - sie bekommen ihren Platz zugewiesen, finanziell - was in dieser Welt fast ohne Ausnahme jeden anderen gesellschaftlichen Rang mitdefiniert. Solange der Begriff superreich mit Leben gefüllt werden kann - solange wir armen Normalsterblichen zu diesem exklusiven Club neid- und bewunderungsvoll heraufblicken - wird sich dieses System nicht ändern. Und solange nicht die Möglichkeit besteht, Menschen zu wählen, die dieses System wahrhaftig ändern wollen, haben wir mündigen Bürger in dieser Demokratie nicht die Möglichkeit, die Verhältnisse legal zu ändern (analog zum bekannten Spontispruch "Wenn Wahlen die Verhältnisse ändern könnten, wären sie illegal.").

Meine Vermutung ist, daß ich mit meinen Gedanken in diesem Land vergeblich an geschlossene Türen klopfe. Natürlich spenden wir Deutschen nach Naturkatastrophen, wir finden es toll, daß wir Entwicklungshilfe leisten. Aber wären wir ernsthaft bereit, im Zuge weltweiter Gerechtigkeit kürzer zu treten? Dazu sind wir doch alle viel zu egoistisch - dazu denken wir doch viel zu sehr an uns selbst. Würden wir gerechte Verteilung von Reichtum in unserem Lande durchsetzen, dann wären wir alle Millionäre. Wir besäßen immernoch eine der besten Infrastrukturen dieser Welt und der Luxus unseres zivilisierten Lebens wäre immernoch grenzenlos gegenüber den Millionen und Millarden derer außerhalb der Grenzen Deutschlands und/oder Europas. Würde sich eine demokratisch wählbare Partei der westlichen Welt auf die Fahnen Schreiben für materielle Gerechtigkeit in dieser Welt zu sorgen? Würde, wenn es eine einzige täte, diese von auch nur einem Prozent der Wahlberechtigten gewählt werden? Die Antwort lautet vermutlich nein - und diese Antwort frustriert mich. Noch viel mehr, wenn ich mir selbstreflektiert die Frage stelle, auf wieviel Luxus ich bereit wäre zu verzichten - daß auch ich nur ein Mensch bin, habe ich vermutlich schon erwähnt.

Und die Moral von der Geschicht?

Diese Geschichte ist Moral pur. Sie entbehrt nur wie auf dieser Seite üblich sinnvoller Lösungsansätze. Ich höre immer wieder, daß es wichtiger sein kann, Fragen zu stellen - aber so oft ich mir und der Welt Fragen über die Gerechtigkeit stelle, erhalte ich keine Antwort, höchstens immer wieder die eine: "Weil es halt so ist."
Genauso ist diese Geschichte zweifellos mit gewissen Werten behaftet, die sie und ihre Fragestellungen angreifbar macht. Auch ich bin - wie niemand auf dieser Erde - externer Beobachter und persönliche Wünsche und Hoffnungen spielen genauso eine Rolle wie meine intellektuellen Beschränkungen oder mangelndes Wissen.

Ich möchte dagegen halten, daß ich weder eine Lösung präsentiere noch den dazugehörigen Lösungsweg. Auch ich bin, wie vermutlich jeder andere mit den Variablen der Gleichung Welt hoffnungslos überfordert. Mein Ruf, die Welt anzuhalten, basiert weniger auf wissenschaftlichen Beweisen oder nackten Tatsachen, als auf einer Ahnung, einer persönlichen Intuition. Ich habe, meine lieben und bösen Mitmenschen, das Gefühl, daß das was wir gerade tun, nicht gut gehen wird. Daß wir dabei sind, den Karren weltweit in einen Dreck zu ziehen, aus dem wir ihn nicht ohne gewaltiges Leid wieder herausziehen können. Warum ist der Begriff des "dritten Weltkrieges" denn so omnipräsent? Warum höre ich ihn immer und immer wieder, sei es in Filmen, in Büchern oder in anderen Medien? Ich glaube, weil ihr es auch spürt. Viele von Euch. Auch Euch ist klar, daß Nr. 3 für uns Menschen richtig böse enden könnte. Weil wir eine Möglichkeit gefunden haben uns in Massen zu vernichten. Und diejenigen, die derartige Waffen besitzen sind nicht bereit, auf dieses Druckmittel zu verzichten. Atomwaffen zu entwickeln ist nicht einfach und mit Sicherheit teuer - an diesem Punkt schließt sich der Kreis und wir sind wieder an dem Punkt, daß diejenigen mit Geld Macht besitzen.

Stop! Aus! Schluß jetzt! Anhalten sollten wir - alle miteinander. Anhalten und nachdenken. Man kann nur dann nachdenken, wenn man die Ruhe dazu hat - diese haben wir schon lange gegen endlosen Lärm eingetauscht. Und schon garnicht können wir nachdenken, wenn wir gefangen sind in einem sozial- oder kapitaldarwinistischen Kampf "Jeder gegen jeden". Wir besitzen angeblich genügend Vernunft und Menschlichkeit um genau dieses System moralisch gesehen in die Hölle zu schicken - warum zum Teufel schaffen wir es nicht, dieses System zu überwinden? Wollt ihr es alle nicht? Oder seid ihr nicht frei und selbstbestimmt - sondern immernoch allesamt wehrlose Schafe in der Herde?


30.10.2010 (kein wirkliches Thema und ebenfalls unvollendet)


I should talk english at the beginning of this chapter, if I want to establish a certain scheme. But actually I don't like schemes very much, so I will - instead of presenting some unbelieably senseful (or senseless) piece of human knowledge - just write some garbage to at least pretend to have a scheme and make myself less boring....

Das letzte Mal, als ich schrieb, führten meine Gedanken zu weit, um etwas halbwegs kurzes, lesbares zu verfassen. So sehr ich mich manchmal frage, wie es Autoren schaffen, immer und immer wieder wundervolle Bücher zu verfassen, genauso sehr verstehe ich es. Wir sind imstande unhemilich viel zu denken, wenn wir uns die Zeit dafür nehmen. Wenn wir alle auch nur einen Bruchteil davon aufschreiben würden, wäre unsere Welt allein aus Zeitmangel viel stressfreier.

Das vorletzte Mal als ich schrieb, schweiften meine Gedanken ebenfalls ab. Beim wieder- und wiederlesen des Textes entgingen auch mir nicht die Gedankensprünge und dennoch - musste es wohl endlich raus. Und letztlich war dies gut so. Auch wenn wir alle in irgendeiner Form den Drang zum Perfektionismus in uns zu tragen scheinen, so wenig perfekt sind wir - alle miteinander. Dieser Tatsache sind wir uns vermutlich alle bewusst - zumindest wenn wir fähig sind, ehrlich zu uns selbst zu sein.

Es war wohl der Perfektionist in mir, der sich entschloß, meine Gedanken über die kollektive oder soziologische Intelligenz zunächst für mich zu behalten - nicht zuletzt deshalb, da ich entdeckte, wieviele andere sich über dieses Thema schon Gedanken gemacht hatten - und ein Grundsatz des Publizierens - wenn auch vermutlich nicht immer befolgt und schon garnicht auf absolute Weise - sollte wohl sein, daß man sich zu dem Thema, über das man sich auszulassen gewillt ist, nicht nur eigene Gedanken machen, sondern auch die Gedanken anderer, vorheriger, in Betracht zu ziehen, und sei es nur deshalb um zu vermeiden, sie in selbstherrlicher Art nach einem anderen zu wiederholen. Und diese Gefahr wächst in einer Welt, in der die mögliche Menge von Information nur noch von der schon jetzt fast unendlichen Kapazität digitaler Speichermedien begrenzt ist, immer weiter.

Da ich von meiner (ebenfalls schon vielfach vor mir behauptete) These von der Fehlbarkeit des Menschen jedoch überzeugt bin, lege ich es darauf an, mich gesamtmenschheitlich gesehen zu wiederholen, ja ich habe sogar so garnichts dagegen. Daß mit dieser Einstellung - und besonders mit ihrer Praktischen Auslegung - die (wissenschaftliche) Qualität meines Werkes eng verknüpft ist, ist mir bewußt. Ein vielleicht kläglicher Versuch im ersten Eintrag dieses gewollt etwas bizarren Blogs war das mehr oder weniger zufällige Einstreuen von Internetzitaten, die ich jedoch - ich gebe es offen zu - nicht oder zumindest nicht komplett - gelesen habe.

Mein Problem besteht, so denke ich, nicht in der Faulheit, mich durch hunderte oder tausende Bücher zu wühlen - allein mir fehlt die Zeit. Angesichts einer Realität, in der die Masse des gemeinschaftlich erworbenen Wissens derartig explodiert ist, daß die Existenz von Universalgelehrten rein theoretisch unmöglich scheint und in der das Studium sich zum Großteil in eine weitere Art der Beschulung entwickelt hat, die zu nichts anderem dient, als die durch Anwendung dieses Wissens komplex gewordene Welt durch Ausbildung einer Armee von Fachkräften am Laufen zu halten, ist es jedoch schwer, das Wissen auszuwählen, das nötig ist um diese Welt besser zu machen. Und wenn man es versucht und es wagt, außerhalb von gewohnten Pfaden einen Blick auf diese Welt zu wagen, galt man in den meisten Fällen als Spinner - man wurde von den Menschen seiner Zeit nicht verstanden.

Vielleicht ist es generell so, daß wir, auch wenn sich alle nicht-konservativen alle Mühe geben, dies zu leugnen, uns dem Neuen gegenüber immer skeptisch verhalten. Es mag Ironie sein, daß sich die Konservativen dieses Landes auf die Fahnen geschrieben, einen alten - nach Meinung vieler bewahrenswerten - Bahnhof dem Erdboden gleich zu machen um damit Platz für den Fortschritt zu schaffen. Vielleicht erklärt sich dieser offenbare Widerspruch aber auch lediglich durch die Verschiebung der Werte, die die heutigen Konservativen zu bewahren suchen. Die dritte Möglichkeit wäre, daß die Konservativen schlicht verzweifelt sind durch eine Welt die sich in rasendem Tempo ändert und damit sind sie in der Landschaft der politischen Strömungen vermutlich nicht einmal allein. Das Mißlingen sämtlicher Versuche, ein kommunistisches oder sozialistisches Gesellschaftssystem zu etablieren, muß für wahre Linke doch ebenso zu Verzweifeln sein. Die Grünen - auch wenn sie sich verhältnismäßig großer Beliebtheit erfreuen - haben ihre Schuldigkeit eigentlich getan, nachdem alle politischen Lager zumindest vorgeblich eingesehen haben, daß die Vernichtung des Planeten durch den Menschen zumindest auf ein Maß beschränkt werden muß, daß es der menschlichen Rasse noch möglichst lang erlaubt, auf diesem zu leben. Und selbst die junge Piratenpartei ist kurz nach ihrer Gründung schon dabei, an sich selbst zu verzweifeln. Rassisten und andere Extremisten sind klar am verzweifelsten. Sie greifen zur Gewalt und nehmen sich dadurch jedes Recht, ihre Stimme in einer Welt immer breiter divergierender Meinungen auch nur zu erheben.

So what bisher? Nichts neues, möchte man meinen. Lediglich eine verkürzte Zusammenfassung der Realität? Oder sogar komplette Spinnerei? Ich denke es nicht und bin überzeugt genug, um mich der Meinung des Öffentlichen zu stellen. Ich gestehe erneut - ich habe Angst. Angst vor einer Welt, die derartig ist, daß ich in ihr nicht leben möchte. Und mit dieser Angst, davon bin ich überzeugt, bin ich nicht allein. Ich bin genauso überzeugt davon, daß diese Angst weder besonders radikal ist, noch daß sie nicht rational, daß sie paranoiden Gedanken eines kranken Menschen entspringen. So sehr ich in vielen Aspekten unserer Realität schwarz sehe - ich sehe den Hauptakteur, den Menschen, alles andere als nur negativ.

Nehmen wir einmal an, unsere Gesellschaft wäre eine Demokratie und nicht, wie bereits von mir behauptet, eine Diktatur des Kapitals. Nehmen wir an, der Großteil der Menschheit strebt nach etwas, das der gleiche Großteil dieser Menschen als etwas Gutes ansehen. Es mag verschiedene Schattierungen vom Guten geben. Beispiele dafür sind auf der einen Seite ein religös begündetes totalitäres System wie die Herrschaft der Taliban über das Afghanistan von ? bis 2001 oder das der heutigen Vereinigten Staaten, in denen zum einen liberale Grundsätze so heilig sind, daß das dritte Reich im Zuge der Meinungsfreiheit verherrlicht werden darf, sich zum anderen jedoch ein Rechtssystem entwickelt hat, in dem kleinste Vergehen drakonische Strafen zur Folge haben und als dessen Folge die meisten Gefängnisinsassen auf dem nordamerikanischen Kontinent anzutreffen sind. Was ist das gemeinsame Gute in diesen Systemen? Simple ethische Grundregeln sind die gleichen. "Du sollst nicht stehlen" oder "Du sollst nicht töten" haben sich über die gesamte Welt verbreitet. Selbstaufopferung für andere gilt in fast allen Gesellschaften als herausragend ethisches, als "gutes" Handeln,  sei es die Mitarbeit in einer karitativen Organisation oder der Freitod als lebende Bombe.

Die Vergleichbarkeit dieser Beispiele mag auf den ersten Blick nicht gegeben sein, ja sie scheint eine Beleidigung all der Freiwilligen zu sein, deren Arbeit für die Gemeinschaft jedes Lob verdient. Aber auch die einfachen Gebote über das Stehlen und das Töten sind doch letztlich reine Interpretation, oder nicht? Vegetarier singen seit jeher ein Lied darüber, daß wir Menschen uns zu Massenmördern entwickelt haben, daß wir das Industrielle Töten von Lebewesen schon lange nicht mehr kollektiv als böse wahr nehmen. Und wenn ein smarter Finanzberater einem unbedarften Kunden in Produkt verkauft, dessen Nutzen zumindest fragwürdig ist, wie bitte anders als durch Diebstahl wäre dieses Tun mit primitiven moralischen Maßstäben wohl zu umschreiben?

Auch wenn wir in der Mehrheit Christen oder Buddhisten sind, Muslime oder Hindu, Juden oder gläubige Ungläubige - wir haben schon lange die Ebene der primitiven Moral verlassen. Gutes Handeln zu beschreiben wird immer mehr zur Herausforderung und kein Ergebnis dieser Beschreibung ist mehr universal, wenn es jemals eins gewesen ist. Und doch hat das Interesse an diesem Thema niemals aufgehört. Nach wie vor streben wir alle zum Guten hin, zumindest behaupten wir es doch. Die Minderheit derer, die offen zugibt zur Gattung des Arschlochmenschen zu gehören, hat es bisher nicht geschafft, ihr Credo zum Allgemeinen zu machen. Und vielleicht will sie das garnicht, denn von der Überzeugung des Guten im Menschen hin zur Gutgläubigkeit ist es kein weiter Weg.

Aber welches Problem haben wir dann? Eine Verschwörung des Bösen, der sich das Gute qua seines Gutseins nicht erwehren kann? Es scheint mir manchmal zumindest so. An das Gute im Menschen zu glauben, jedoch gleichzeitig den Glauben an die Verwirklichung des Guten verloren zu haben ist in höchstem Maße frustrierend. Und deshalb kann ich mich auch keiner der klassischen Strömungen anschließen, die bisher versucht haben, die Welt zum Besseren zu wenden - denn irgendwie sind sie alle gescheitert. Wir sind in unserer Geschichte zweifelsohne immer wieder hin- und hergestolpert. Wir haben schon vor Jahrtausenden hochentwickelte Kulturen und Zivilisationen entwickelt, haben uns jedoch genauso regelmäßig wie ein Uhrwerk immer wieder die Köpfe eingeschlagen, auch wenn das Wort Frieden in fast jeder Menschlichen Sprache eine Entsprechung hat. In meinem Unwissen frage ich mich warum. Warum sind wir, die scheinbar alles lernen können, als Gemeinschaft unbelehrbar? Warum können wir bei allem Guten Willen auf dieser Erde nicht dafür sorgen, daß grundlegende Erkenntnisse, die es offenbar zu globalem Konsens gebracht haben, auch Hunderte Jahre nach ihrem Erkennen fast überall mißachtet und mit Füßen getreten werden? Ich verstehe es und ich verstehe es nicht. Aber am meisten stört mich wohl die Scheinheiligkeit.

Auch ich lebe mein Leben ohne mir ständig ins Bewußtsein zu rufen, daß mein Wohlstand, daß der Wohlstand von uns allen in Deutschland sehr wohl abhängig ist von vielen anderen Menschen, denen es schlechter geht als uns Deutschen. Und so sehr ich mit den Verfechtern der sozialen Marktwirtschaft glaube, daß ein fairer Kapitalismus denk- und machbar sein müßte, so sehr bin ich mir bewußt, daß der globale Kapitalismus, dem sich die Welt nahezu bedinungslos unterworfen hat nicht fair ist.
Vielleicht müssen wir uns, um ehrlich zu werden, lediglich von den Menschenrechten verabschieden und akzeptieren, daß es immer und zu jeder Zeit Gewinner und Verlierer geben wird. Vielleicht liegt unsere gemeinsame Dummheit darin, daß wir glauben, wir könnten uns dem genetischen und intellektuellen Darwinismus, dem bis auf uns Menschen alle Lebewesen unterworfen sind entziehen. Offenbar können wir diesen Glauben nicht über Bord werfen. Irgendetwas hat uns daran gehindert, alle miteinander gewissenlose Monster zu sein und die Dystopie von Jedem gegen Jeden wahr werden zu lassen. Und egal wie schrecklich menschliche Taten zu jeder Zeit auch gewesen sind - sie sind doch in unserer kollektiven Erinnerung immer schreckliche Taten - klar abgegrenzt von den guten.

Antworten auf das Warum gibt es sicher schon. Angefangen religiösen Lehren des bösen Menschen, der nur durch ständige Selbstmahnung ein leidlich gutes Leben zu führen im Stande ist hat sich die Suche nach Gründen für gute oder böse Menschen längst in die Regionen der Neuropsychologie verschoben und die Rasse Mensch sucht verzweifelt nach empirischen Daten, die es uns ermöglicht, gut und böse auseinander zu halten.
Doch genug von Gut und Böse. Genauso wenig wie ein Raubtier böse ist, könnte man durchaus die These vertreten, daß die Starken in dieser Welt zu Recht die Gewinner sind und das das Recht der Schwachen, derer die anderen die Möglichkeit geben, sich unterdrücken oder ausbeuten zu lassen, durch das Gewähren eben dieser Möglichkeit verwirkt ist. Stärke und Schwäche sind natürlich ebenso parametrisierbar wie das Gute und das Böse - aber dennoch ist der smarte und wortgewandte Banker genauso allgemeingültig ein Symbol für Stärke geworden, wie eine drogensüchtige Arbeitslose mit einem IQ kurz über der Definition für geistige Behinderung für uns schwach ist. Das gleiche gilt für die Gegenüberstellung von Adolf Hitler und Mutter Theresa. Zu behaupten, alles sei relativ ist kompletter Blödsinn - wir alle kennen den Unterschied ganz genau.

Und wieder so what? Wir wollen uns offenbar der Schwachen nicht entledigen. Wir haben ihnen allerdings Rechte gegeben, zu deren Wahrnehmung sie sowohl gedanklich als auch praktisch in vielen Fällen nicht fähig sind. Der Darwinismus greift spätestens wieder in der Genetik. Wir können weder verhindern, daß ein häßliches Entlein angesichts von Topmodels oder Superstars depressiv wird noch wollen wir es. Wir nehmen die Tatsache hin und kommen in unserem Streben nach dem Wahren, Schönen und Guten nicht in die Verlegenheit uns darüber Gedanken zu machen, daß Gerechtigkeit, daß Fairness unter uns Menschen nur dann gänzlich gegeben wäre, wenn wir alle Klone wären - alle mit gleichen geistigen und körperlichen Mitteln ausgestattet. Und ich habe noch von keinem auch noch so radikalen gehört, der sich eine solche Welt wünscht.

Ich glaube nicht, daß wir so weit gehen müßten um ehrlich zu werden. Natürlich funktioniert eine Welt mit unterschiedlich starken Menschen nur dann, wenn wir uns alle in irgendeiner Weise unserer Position in der Gesellschaft bewusst sind. Doch dieses Bewusstsein führt uns doch zwangsläufig zu einer Herrschaft der Starken über die Schwachen, oder nicht? Die von mir behauptete Herrschaft des Kapitals ist an sich nichts anderes. Und die Existenz von Begriffen wie Sozialdarwinismus oder die Einteilung der Welt in eine erste, eine zweite und eine dritte müssen Beweise dafür sein, daß immernoch die Starken über die Schwachen herrschen. Keine Revolution der Welt hat dies verändert. Der Status Quo durchzieht die Geschichte.

Will ich die Welt anhalten um das zu ändern? Ich will sicher keine Welt von Klonen. Und auch wenn Dummheit sprichwörtlich glücklich macht und objektiv gesehen die geistig Schwachen oftmals in der Tat die glücklicheren Menschen zu sein scheinen, will ich nicht, daß wir uns in einen Haufen von Idioten verwandeln. Im Gegenteil - ich wünsche mir genau das Gegenteil. Die Primitivität dieser Welt widert mich immer wieder an - doch jedes Mal frage ich mich, wie arrogant diese Gefühle eigentlich sind und kann mich gleichzeitig ihrer nicht erwehren. So vehement ich beim Fernsehen jedoch den Kopf schütteln möchte, so wenig widern mich primitive, schwache Menschen selbst an. Ich behaupte nicht, mit ihnen glänzend aus zu kommen, mich mit ihnen "zu verstehen". Aber ich bin in der Lage mit den allermeisten Menschen in Frieden zu leben. Ohne Gebote und ohne Gesetze. Inwieweit ich aufgrund meiner Gene oder meiner lebenszeitlichen Prägung über diese Fähigkeit verfüge kann ich nicht sagen und genauso wenig behaupte ich, daß ich dieses Können perfektioniert habe. Menschen begehen Fehler - die in einer eng verknüpften Gesellschaft mit vielen Mitgliedern zwangsweise Konsequenzen auf andere hat. Und dennoch hat bisher kein Fehler zu einem offenen, geschweige denn blutigen Krieg geführt. Mein persönliches soziales Zusammenleben funktioniert innerhalb der von meiner menschlichen Fehlbarkeit begrenzten Parameter. Und ich bin deshalb nichts besonderes - die allermeisten von uns können das genauso gut.

Wir sollten anhalten, so glaube ich, eben weil wir zum Großteil schon jetzt über die Jahrtausende zu Wesen geworden sind, die miteinander klar kommen könnten. Egal welch bestialische Gegenbeispiele menschlichen Verhaltens ich auch dagegen anbringen könnte - in unserem Bewusstsein hat sich das Gute stets zum noch Besseren verändert. Daß wir es dabei vielleicht mittlerweile übertreiben und garnicht so gut sein können wir wir es gerne wären - das ist ein weiterer Grund, anzuhalten und unsere kollektive Intelligenz neu zu bewerten. Die Scheinheiligkeit gegenüber den Verlierern in diesem Land, in diesem Europa, in dieser Welt wäre abermals Grund genug, unsere Zielsetzung zu hinterfragen. Nicht zuletzt ist es vielleicht notwendig, unserer Prioritäten neu zu bedenken. Vorsicht hierbei wäre natürlich oberstes Gebot: Eine Auswahl aus dem Katalog an Beispielen wäre folgende:

Müssen wir zu den Sternen reisen und Millarden dafür ausgeben, neue Erkenntnisse zu gewinnen, solange Menschen hungern oder anderweitig menschenunwürdig leben müssen? Wir alle träumen von den Sternen und sind fasziniert davon, daß wir es geschafft haben, unserern Lebensraum Erde zu verlassen.

Ist es gesellschaftlich sinnvoll, Menschen dazu zu verpflichten, eine Arbeit anzunehmen, sie dazu zu verpflichten eine Vielzahl von Abgaben an den Staat oder an Privatunternehmen zu zahlen, um an der heutigen Gesellschaft teilhaben zu können? Wäre es nicht vielleicht ernstlich sinnvoller, allen HIV-Infizierten einen Stern auf die Brust zu heften und durch diesen sicher sehr radikalen Eingriff in die persönlichen Rechte eine Seuche innerhalb von Jahrzehnten auszurotten? Oder wäre die Gefahr zu hoch, daß wir Menschen dann aufs Ganze gehen und uns als nächstes alle Träger eines bekannten Gendefektes vornähmen? Würden wir es dann übertreiben und uns fähig dazu halten, Dummheit auszurotten? Zwangssterilisierung für alle mit einem IQ kleiner 100? Dann 120? Wünscht man sich eine zukünftige "bessere" Gesellschaft, so wären derartige Maßnahmen zumindest denkbar. Aber was wenn wir dabei einen Fehler machen? Wären wir dämlich genug, unseren Genpool derartig zu dezimieren, daß wir als Spezies daran zugrunde gehen würden? Wissen wir nur weil wir mittlerweile in der Lage sind, blonde Babies mit blauen Augen zu produzieren, genug, um uns selbst an die Verbesserung unser Gesamten Spezies wagen zu können? Und selbst wenn das Experiment erfolgreich wäre - wären wir vielleicht in einer solchen möglichen Zukunft alle klug und schön - aber gleichzeitig gewissenlose Arschlöcher und unser Leben dadurch die Hölle?

Wir haben uns - ob nun wegen oder trotz unserer Fehler zu sozialen Wesen entwickelt. Und ganz egal, wie sich unser Verständnis von uns selbst im Laufe der Zeit geändert hat, wir sind
Die Welt soll anhalten, weil ich von uns allen verlange, daß wir mit unseren Fehlern ernster ins Gericht gehen als wir es bisher tun. Und ich verlange, daß wir unsere Prinzipien überprüfen. Vielleicht arbeiten wir uns alle psychisch kaputt. Vielleicht ist unsere Gesellschaft wirklich zu schnell geworden und wir können tatsächlich nachweisen, daß wir Menschen für dieses Tempo nicht geschaffen sind und zwangsläufig auf lange Sicht ausbrennen müssen, wenn wir weiter Vollgas geben. Vielleicht müssen wir, wenn wir Kriege und Gewalt beenden wollen, nicht Antiterroreinheiten entsenden sondern unserern Gerechtigkeitsbegriff neu definieren. Wir tun es nicht, aus Angst davor zu verlieren. Aber besteht nicht auch nur die theoretische Möglichkeit, daß dieser Schritt für die Menschheit eine Win-Win-Situation sein könnte? Und wenn nein - warum nicht?

Ist es verdammt nochmal nicht zumindest denkenswert, daß die politisch korrekte Umschreibung der Dummen von "andersartiger Begabung" ernst und wörtlich genommen werden sollte? Könnte es nicht nur nach der Bibel sondern auch vollkommen rational begründet so sein, daß sich unsere Gesellschaftsstruktur und unser Genpool durch die schon so lang anhaltende Tatsache der sozialen Interaktion durchaus mit einem uns bewusst unbekannten Grund entwickelt hat? Können wir mit Sicherheit sagen, daß eine Gesellschaft voller Intellektueller besser funktionieren würde? Oder ist die genetische Vielfalt der menschlichen Spezies so komplex, daß wir Stärken und Schwächen bislang einfach nicht begreifen und wir einen kapitalen Fehler machen würden, wenn wir anfangen würden, auf den ersten Blick auszusortieren?

So what zum Schluß?

Revolution wohl - denn die Welt anzuhalten wäre mit Sicherheit eine Revolution. Doch genauso wie ich Bestehendes umstürzen möchte, so sehr will ich, daß die Welt dabei friedlich bleibt - und das ist wohl mit ein paar Millarden hoch emotionaler Wesen, die in der Gruppe und/oder unter Druck meist weit weniger intelligent handeln als wenn sie Zeit haben, für sich eine Weile nachzudenken - die größte Herausforderung.

Ich weiß nicht was wir tun müssen um voran zu kommen. Daß wir immer älter werden und somit alte Gedanken immer länger ihre Stimme haben, kann gute oder schlechte Aspekte haben. Ich werde sicher nciht dafür plädieren, Menschen ab 60 zum Sterben zu schicken. Aber würde man diese Idee bedenken - käme man nicht nur auf die offensichtlichen Probleme des quasi unendlichen Alterns wie Demenz oder Invalidität, die - bei einer durch medizinische Fortschritte ständig steigenden Lebenserwartung, die dazu noch offensiv und unhinterfragt als positiv angesehen wird, zweifellos weiterhin zunehmen werden, sondern man könnte sich auch fragen, wie intelligent wir uns gerade verhalten, wenn wir die Gesellschaft konsequent vergreisen lassen. Die Kosten für die (intensiv)medizinische Behandlung eines einzigen durchschnittlich begüterten Mitteleuropäers würde vermutlich (ausdrücklich vermutlich, es ist mit sicherheit nachzurechnen, aber ich schätze einfach mal ins blaue) ausreichen, um das Leben von mindestens einem Dutzend der Ärmsten dieser Welt lebenslang besser zu machen. Warum wir es nicht einfach tun, habe ich schon oft gefragt - und die Antwort lautet sicher nicht, daß wir uns weigern, unsere Alten zu vergasen und deshalb kein Geld dafür haben.
 
Noch ein anderer Grund anzuhalten ist denkbar. Ich bin weiß goth nicht gegen Fortschritt. Aber vielleicht haben wir, indem wir göttliche und archaische Normen und Werte zu schnell hinter und gelassen haben, ebenfalls gegen unsere Natur verstoßen. Wir Menschen haben Jahrtausende mit dem Glauben an das Übersinnliche, an das Göttliche gelebt. Wieviel davon ist durch unsere Gene oder andere, uns unbekannte Faktoren über die Zeit "hängen geblieben"? Können wir dies mit Bestimmtheit sagen? Vielleicht müssen wir, bevor eine globale Zivilisation entstehen kann, zuerst im Himmel für Frieden sorgen. Es gibt einen großen Konsens in allen Religionen. Manche verbieten nur das Töten von Menschen, andere fordern großen Respekt vor allem Lebenden. Die meisten fordern uns zur Bescheidenheit auf - und die meisten von uns mögen zugeben, daß der Begriff Bescheidenheit zwar noch als Tugend gilt, jedoch quasi nicht mehr mit irgendeiner Art Leben gefüllt zu sein scheint. Es war mit Sicherheit nicht Bescheidenheit, die uns die letzte Finanzkrise brachte - genauso wenig bescheiden waren die globalen Gegenmaßnahmen. Und auch in Punkto Krieg scheint es uns immernoch ums Klotzen statt ums Kleckern zu gehen. Der Mensch der Kennedy erschoß, erschoß nur ihn - kein anderer kam dadurch zu Schaden. Erst Osama hat es übertrieben und hat am 11. September eindrucksvoll gezeigt, zu welcher Gewalt Menschen fähig sind. Zweifelsohne haben die Amis vorher und nachher niemals an Gewalt gespart - so freiheitlich und zivilisiert die Vereinigten Staaten auch sein mögen - sie haben es bis heute weit schlechter als wir Europäer verstanden, daß Krieg, daß Waffengewalt nicht ultima ratio sein kann, wenn wir "Du sollst nicht töten" auch nur ansatzweise ernst genommen haben. Und das Töten in irgendeiner Form (meist Krieg) war schon immer eins der Hauptprobleme von uns Menschen. Genauso wie wir Menschen gut sein können, so können wir auch böse sein. Die allermeisten von uns sind beides in einer ausgewogenen Mischung und unser unbedingter Wunsch nach dem Guten ist zumindest ein Zeichen dafür, daß wir daran glauben, daß wir dazu fähig sind.

Was würde die Mafia sagen, wenn die Welt anhielte? Würden die Bosse vor Wut schäumen? Oder würden sie, wenn der unbedingte Wunsch eines großen Wandels in der Luft stünde Menschen genug sein. Würden Serienmörder und Massenvergewaltiger weiter ihre Pläne schmieden? Oder würden sie in der Mehrzahl aussterben, wenn wir alle einen Gang herunterschalten und beginnen, eine übersexualisierte Gesellschaft genauso kritisch zu betrachten wie die Hektik, die Schnelligkeit und die Perfektionssucht der gegenwärtigen Realität, die in den Seelen vieler von uns zu mehr oder weniger drastischen Schäden führen? Würden die Terroristen dieser Welt wirklich unbeeindruckt weiter bomben, wenn man ihnen und ihren Ideen ersthaft einen Platz in der öffentlichen Diskussion einräumt und sie nicht von vornherein als barbarisch und rückständig verteufelt? Oder gäbe es nicht zumindest einige, die sich, gerne zunächst vorsichtig per Internet, dazu bekennen würden, daß sie zu Verhandlungen auf Augenhöhe bereit sind. Zugegeben, nicht alle Religionen haben es sonderlich mit dem Begriff der Vergebung - und Auge um Auge ist für jeden fühlenden Menschen einfach nur gut und richtig - aber wir haben alle auch das was wir Vernunft nennen in uns, und diese Fähigkeit hat uns oftmals über gut und böse genauso hinwegschauen lassen wie über den Wunsch nach Rache, den Drang zur Vergeltung. Sind wir wirklich davon überzeugt, daß wir zu dämlich oder zu böse sind um diese Welt besser zu machen? Wenn ja dann praktizieren wir gerade den maximal anzunehmenden kollektiven Selbstbetrug - weil wir quasi alle vorgeben, für das Gute zu kämpfen - sei es mit neuen Medikamenten oder Rohrbomben. Nun, in unseren Versuchen ähneln wir so glaube ich mehr und mehr Don Quichote - und der Wahnsinn wächst noch immer stärker, nicht zuletzt seit wir in unbewusstem Gedenken an ihn sämtliche freien Flecken dieser Erde aus Verzweiflung und/oder Profitgier mit Windmühlen zupflastern. Ob uns der Glaube an einen Gott helfen kann - ob er allein fähig ist uns in unserer Gesamtheit zurück auf den Weg zu einer besseren, friedlicheren Zukunft zu führen - ich bezweifle es stark. Aber genauso bezweifle ich, daß es funktionieren kann, wenn wir massiv gegen die religiösen Überzeugungen einer Mehrheit von Menschen verstoßen - auch wenn wir in den meisten Fällen vorgeben, dies nicht zu tun.

Oder aber lieg ich einfach nur falsch und wir Menschen genießen diese ungeheure Moralische Freiheit einfach nur? Sind wir Tiere und leben es nun endlich wieder aus? Wollen wir weitermachen bis wir uns selbst zerstören? Na los doch...ich bin dabei. Ich kann dieses Spiel auf zwei Arten spielen. Ich weiß nur, daß wir dabei drauf gehen werden. Diese Welt ist bei weitem nirgendwo eine, in der ich besonders große Lust zu leben verspüre. Und selbst wenn ich das Gute anstrebe, frage ich mich manchmal, ob die Entwicklung Mensch dazu in der lage ist - oder ob wir aussterben müssen um Platz zu schaffen für einen besseren Versuch. Auch für die religiöse würde das Sinn machen. Gott schläft immernoch - weil der 7. Tag ist noch nicht zu Ende. Passt bloss auf, wenn er aufwacht - und den Sauhaufen vorfindet - vermutlich ....und so weiter




3.10.2010

Reunion of Germany was - from the perspective of an about 30 year old inhabitant of western Germany - no mistake after all.  We Krauts are hopefully mature enough by now not to beg for WW III or send our immigrants into camps - and as long as we don't change our sexual habits, we are on the path to extinction anyways. Though, after living nearly 20 years now in a united Germany, I wondered whether we couldn't have done a better job in becoming one country again and whether our participation in this thing called world should be different to reality



Gedanken, deren Denker selbstbewusst oder eingebildet genug sind, sich mit ihnen dem Öffentlichen zu stellen, sind in den wenigsten Fällen allgemein. Gedanken über die Vereinigung Deutschlands sind es genauso wenig. Verglichen zu manchem, was bisher gedankenvoll oder gedankenlos niedergeschrieben worden ist, sind diese kurz und sie sollen es sein. Denn obwohl in diesem Land die Wiedervereinigung zweifellos ein wichtiges historisches Ereignis war und sich unser aller Leben seit dem Zusammenbruch des Kommunismus und der DDR zweifelsohne gewandelt hat, scheint sie zur Zeit global betrachtet weniger folgenreich als die Anschläge vom 11. September 2001 oder die letzte weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise.

Auch wenn mit Sicherheit schon an zahllosen Stellen vorher gestellt, seien folgende Fragen erlaubt:
War es [die Wiedervereinigung] das [weniger folgenreich] wirklich? Oder scheint es, massenmedial unterfüttert und damit per se oberflächlich betrachtet nur, als wäre es so gewesen? Genauso wie zur Zeit die Informationsflut über die Wiedervereinigung Deutschlands gut und gern zu einer sinnlichen Überladung führen kann, so kann man wohl gefahrlos vermuten, daß in zwei Wochen wieder der Alltag eingekehrt sein wird und andere Themen die tägliche Aufmerksamkeit auf sich ziehen werden. Aber fragen wir uns heute noch, was passiert wäre, wenn diese Wiedervereinigung anders oder später abgelaufen wäre? Was wäre passiert, wenn sie nicht stattgefunden hätte? Die schwarz gemalten möglichen Folgen reichen von Bürgerkrieg bis zum nuklearen Holocaust, der Vernichtung der Menschheit - setzt man voraus, daß es wirklich wir Deutschen waren, die dem kommunistischen Ostblock und damit der Teilung der nahezu gesamten Welt in zwei sich gegenüberstehende Lager endgültig den Todesstoß versetzt haben.

Im Geschichtsunterricht sollte ich lernen, daß es sinnfrei ist, Fragen nach dem "Was wäre, wenn" zu stellen. Und doch ist diese Art Vorstellungsvermögen genau dann wichtig, wenn es darum geht, bereits begangene Fehler nicht zu wiederholen. Wir Deutschen haben möglicherweise dazu beigetragen, einen Krieg zu beenden, der - ob kalt oder heiß - in der Lage war, uns Menschen etwas zu geben, das wir offenbar zu allen Zeiten gebraucht haben und vielleicht noch heute brauchen: Ein Feindbild. Ich bin zu unwissend um die psychologischen oder kulturellen Aspekte dieser Behauptung hinreichend zu begründen, doch es scheint geschichtlich betrachtet zumindest nach meinem Ermessen quasi schon "common sense" zu sein. Und daß uns Deutschen, im Osten wie im Westen mit der Wiedervereinigung ein Feindbild genommen worden ist (und sei es nur die Stasi), ist wohl eine unbetreitbare Tatsache.

Habe ich nun recht damit, daß wir quasi aus unserer menschlichen Natur heraus ein Feindbild benötigen, so stellt sich die Frage, wo wir nach dem Zusammenbruch des Ostblocks ein anderes gefunden haben.

Die Feindbilder von "Ossis" oder "Wessis" haben sich glücklicherweise trotz allen Neids und Mißtrauens auf beiden Seiten nie wirklich und ersthaft etabliert. An die Stelle des innerdeutschen Feindbilds der RAF ist das globale Phänomen des (vorgeblich oder nicht) islamistisch begründeten Terrorismus getreten und aus den (vorgeblichen) Verfechtern kommunistischer oder sozialistischer Ideale wurden gemäßigte Linke, die sehr zum Bedauern der neoliberalen Gegenseite nicht so recht als gesamtgesellschaftliches Feindbild taugen.
Betrachtet man Hetzkampagnen konservativer Politiker gegen integrationsunwillige Immigranten oder arbeitsunwillige Bezieher von sozialen Leistungen, so scheint es mir als würden wir unterschwellig dazu motiviert, neben den ultimativ bösen Terroristen ein zweites Feindbild zu entwickeln: Das der Verlierer in dieser Gesellschaft. Und dieser Eindruck macht mir Angst.

Haben wir also die Möglichkeit eines Endes mit Schrecken im nuklearen Weltenbrand durch die Wiedervereinigung eingetauscht in einen Schrecken ohne Ende? Haben wir vor lauter Freude darüber, wieder eine Nation zu sein, vergessen, wohin wir gehen wollen? Haben wir uns in Zeiten des Wirtschaftswunders genauso gedankenlos verhalten, wie wir es bis heute (nahezu unbestritten) beim Verheizen fossiler Brennstoffe getan haben? Haben wir wirklich geglaubt, daß diejenigen, die uns über Jahrzehnte erst zu unserem Wohlstand verholfen haben, nach getaner Arbeit entschließen würden, dieses "Paradies" wieder zu verlassen und in Ihre mittlerweile zumindest teilweise entfremdete Heimat zurück zu kehren? Oder haben wir geglaubt, sie würden sich nahtlos und konfliktfrei in unsere Gesellschaft integrieren? Beides klingt fast so utopisch wie Kohls blühende Landschaften oder der Wunsch, die Welt anzuhalten.

Daß in den Grenzen Deutschlands ein Streit darüber ausbrechen kann, ob die DDR ein Unrechtsstaat gewesen ist, während dieses Land mit Rußland und China quasi freundschaftliche Handelsbeziehungen pflegt - ist es ein Beweis für die Verlogenheit unserer eigenen moralischen Maßstäbe oder ist es ein Zeichen unseres Pragmatismus, dem Akzeptieren der Tatsache, daß wir es uns als "Global Player" nicht leisten können, Länder wie diese als "terrae non gratae" zu betrachten, mit denen wir nichts zu tun haben wollen?

Ich frage es noch einmal und ich frage es in erster Linie uns Deutsche: Wohin in dieser Welt wollen wir gehen? Wird Europa ein Gebiet werden, in dem es irgendwann einmal ähnliche kulturelle Zustände wie in Amerika geben wird? Ein "melting pot" in dem Kultur so vielfältig ist, daß man teilweise sehr genau hinsehen muß um sie noch unterscheiden zu können und in der dennoch massive kulturelle Spannungen existieren, weil es da wo es Sieger gibt zwangsläufig auch Verlierer geben muß? Werden wir hier in Deutschland mit den Einwanderern auf einen Nenner kommen müssen, damit wir reibungsfrei miteinander leben können? Werden wir dies auf friedlichem Wege schaffen? Und wieviel von unserern jeweiligen Kulturen werden wir dafür aufgeben müssen?

Wir waren Dichter und wir waren Denker. Aber zur Zeit scheinen wir meiner bescheidenen Meinung nach einfach nur jeden Scheiß mitzumachen, der gerade in Mode ist (oder haben wir Menschen das schon immer getan?). Seien es panisch wirkende Antiterrormaßnahmen oder Finanzkrisen, deren Ursachen so offensichtlich Fehler im System sind, daß sich selbst die träge und pragmatische Realpolitik nicht dagegen wehren kann, Maßnahmen gegen eben diese Fehler zu ergreifen. Wie wirksam diese Maßnahmen sein werden, können wir wohl erst beim nächsten Mal objektiv beurteilen. Aber vielleicht sind wir beim nächsten Mal auch so weit, daß wir uns nicht mehr wehren wollen. Vielleicht sind die Ideale von Freiheit und Gleichheit aller Menschen bis zum nächsten Mal so von der Realität abgeschliffen, daß wir uns nicht mehr fragen, warum die Masse der Menschen die Zeche zahlt, wenn einige wenige ein System derart überreizen, daß es quasi zwangsläufig kollabieren muß. Ist es noch Schwarzseherei davon zu reden, daß wir in einer Diktatur des Geldes leben, in einer Welt in der selbst in den demokratischsten Ländern nicht darüber abgestimmt werden kann, wie reich oder wie arm Menschen sein dürfen? Bedenken wir, wie massiv und gewalttätig selbst der Bau eines Bahnhofs gegen Proteste der Bevölkerung durchgesetzt wird, stellt sich mir die Frage, wie unser Staat, wie die Staaten Europas gegen eine starke antikapitalistische Bewegung reagieren würde, die mit friedlicher aber lauter Stimme einen nach "change" riefe.

Als es im Zuge der Proteste gegen Harz IV zu Demonstrationen kam, die sich bewusst auf das historische Vorbild der Montagsdemonstrationen beriefen, um mehr Aufmerksamkeit zu erregen, wurden die, die zu derartigen Protesten aufriefen, beschimpft, den Freiheitskampf gegen ein totalitäres Regime durch diese Analogie in den Dreck zu ziehen. Vertritt man jedoch die These eines herrschenden Diktats des Kapitals, ist der Vergleich mehr als passend. Und dabei ist diese Idee nicht einmal neu oder sonderlich selten, nicht zuletzt, weil Kapitalismuskritik wohl schon so alt wie der Kapitalismus selbst ist. Erschreckend ist für mich jedoch, daß wir schon resigniert zu haben scheinen. Ist der Kapitalismus jetzt schon so übermächtig geworden, daß er unhinterfragt als einzig mögliche Wirtschaftsform akzeptiert wird? Oder sind einfach all jene, die diese Zusammenhänge erkennen können auf der Seite der Gewinner und akzeptieren sie deshalb so bereitwillig?
Vielleicht merken wir es auch garnicht. Weil der Kapitalismus selbst auf den ersten Blick durchaus mit den Idealen von Freiheit und Gleichheit konform geht. Der vielzitierte Tellerwäscher aus Amerika, quasi der Beweis dafür, daß alles möglich ist, wenn man es nur will, war wohl niemals ein Schwächling und hatte immer jede Menge Glück. Wir Menschen sind nunmal nicht alle gleich - diese Tatsache ist dermaßen augenscheinlich, daß alle Religionen der Welt nicht dagegen anpredigen können. Und auch keine Erklärung von Menschenrechten wird jemals etwas daran ändern.

Hinzu kommt, daß diese Welt quasi ein Selbstläufer geworden ist, weil sie augenscheinlich all das bietet, was wir haben möchten. Wir Menschen streben, so scheint es, schon immer nach dem Besseren. Höher, schneller und weiter zu fliegen ist nur ein Beispiel von vielen, das deutlich macht, wie sehr wir unserem Drang zur Perfektion, unserem Streben danach, Dagewesenes zu übertreffen, verfallen sind. Daß wir durch die Genetik mittlerweile dabei sind, eine künstlich selektive Elite zu züchten und daß wir durch die ständige Beschleunigung des Lebens durch unser Wirtschaftssystem  den minderwertigen Rest der Spezies Mensch gnadenlos überfordern, scheinen wir nicht zu bemerken. So sehr wir auch versuchen, die Theorie von der Gerechtigkeit für alle zu verwirklichen, genauso sehr scheitern wir mit diesen Bemühungen an der Realität.

Und weil ich nicht gewillt bin, bei diesem Spiel mitzuspielen, möchte ich die Welt anhalten.

Die Frage ist nochmals, denn aller guten Dinge sind drei, wohin wollen wir gehen? Oder ist diese Frage irrelevant? Wo die Probleme liegen, das mögen andere erschöpfender ergründen können. Vielleicht sind wir zu verschieden um als Menschheit zu funktionieren. Vielleicht braucht es genetische Selektion, wenn wir nicht damit aufhören können, nach dem Besseren zu streben. Vielleicht sind wir schlicht und ergreifend jetzt schon viel zu viele und alle möglichen Lösungen dieses Problems scheinen unmenschlich und grausam. Egal jedoch, welche Gründe es dafür gibt, daß wir ins Verderben rennen - wenn wir es wirklich tun, dann sollten wir anhalten und nachdenken. Es klingt so einfach - aber auch mir ist klar, daß es das nicht ist - auch ich weiß nicht, wie man die Welt anhält - allerhöchstens schemenhaft und unvollständig.

An Weihnachten tut sie es irgendwie - aber nur um danach umso rasanter weiter zu laufen. Natürlich tut sie es nicht ganz - und der Preis für die kurze Pause ist meist ein gnadenloser Stress in der Vorweihnachtszeit. Genauso selbstverständlich beschränkt sich dieser Stop im System nur auf diejenigen, die mit Weihnachten etwas anfangen können - und all diejenigen, die diese Zwangspause mitmachen müssen oder wollen.

Ich habe keinen Masterplan und ich werde mich schon garnicht an Weihnachten orientieren. Ich sage nur, daß wir anhalten müssen. Über das wie müssten wir uns schon alle gemeinsam einig werden, ich wäre größenwahnsinnig(er?), wenn ich mir einbilden würde, eine Lösung dafür zu haben. Ich bin lediglich der Auffassung, daß es leichter möglich ist, anhand einer still stehenden Welt darüber nachzudenken wie man sie besser machen könnte, als jetzt, wo sie in immer schnellerem Tempo an uns vorbeifliegt. Und weil mir durchaus klar ist, wie ungeheuer schwer es ist, die Welt anzuhalten, wäre mein bescheidener Vorschlag, daß erstmal dieses Land anhält. Und der heutige Tag schien mir symbolträchtig genug um zumindest einmal über diese Möglichkeit nachzudenken.

Über das wie, über Detailfragen, ob wir es uns beispielsweise leisten wollen, Faulheit staatlich zu finanzieren, oder ob wir den Wunsch haben "Fair Trade" als verpflichtend gesetzlich zu verankern, könnte man erst dann diskutieren, wenn man sich darüber einig geworden ist, daß es so nicht weiter geht. Deshalb werde ich garnicht anfangen, unzählige mögliche Beispiele aufzuzählen. Ich will keine neue Partei und kein neues Parteiprogramm. Ich stelle ja hauptsächlich Fragen - und ich habe nur eine Forderung: "Stop! "Wäre dieser schlichte Gedanke  zumindest mehrheitlich konsensfähig, wäre so vieles denkbar.

Unsere Kanzlerin (wenn sie unter diesen Umständen noch weitermachen möchte) könnte Al Quaida (wer immer das ist) einfach mal hochoffiziell über ihr Video-Blog fragen, was sie denn nun eigentlich will und welche Zugeständnisse nötig wären um selbst die radikalsten von Ihnen wieder davon zu überzeugen, daß Islam Frieden bedeutet (http://www.islam-ist-frieden.de). Selbstverständlich sollte man im Kontext dieser Frage klar machen, daß sich der Großteil der Menschen in diesem Land, mich selbst eingeschlossen, nicht in einem deutschlandweiten Gottesstaat durch ein religiöses Regime unterdrücken lassen würden. Aber grundsätzliche Kompromissbereitschaft würde vermutlich genügen um die wenigen Verbrecher von den vielen anderen zu trennen, die sich einfach nur verzweifelt einer übermächtigen Kultur gegenübersehen, die ihre eigenen Werte schon lange nicht mehr bis zum bitteren Ende hinterfragt und die, nachdem sie über Jahrhunderte ihre Religion gewaltsam über diese Welt verbreitet hat, nun das gleiche mit ihrem Wirtschaftssystem zu tun scheint. Damit könnten wir aufhören - wo ist das Problem? Und sollte letzten Endes nur noch Palästina das einzige unlösbare Problem darstellen, dann sollte man trotz aller historischen Gründe für ein schlechtes Gewissen den Juden gegenüber auch als Deutscher weitaus deutlicher Kompromissbereitschaft vom Staate Israel fordern (und sei es nur der symbolische Akt, täglich eine neue Ausgabe von Nathan dem Weisen vor jede Vertretung Israels legen; nicht zuletzt um deutlich zu machen, daß auch unendliches erlittenes Unrecht niemals als Rechtfertigung dafür verwandt werden sollte, neues Unrecht zu begehen.
Ein Sprichwort behauptet, fragen kostet nichts. Aber vermutlich ist es nur so eine verrückte Idee und wenn wir Menschen wirklich zwanghaft ein Feindbild brauchen, dann ist sie zum Scheitern verurteilt, weil wer will schon etwas aufgeben, das er braucht. Aber vielleicht kriegt sie ja auch eine Antwort - und ganz vielleicht sogar eine, die aus Vorschlägen und nicht nur aus Drohungen besteht.

Genauso gut könnte unser Außenminister bei den Vereinten Nationen eine Rede halten, in der er - gesandt vom Deutschen Volk, auch für ihn ungewohnte Töne anschlagen müsste. In der er die Idee vorstellt, das weltweite Streben nach Wachstum durch ein weltweites Streben nach echter Gerechtigkeit und Chancengleichheit zu ersetzen, anstatt nur mit dem schlechten Gewissen ehemaliger Kolonialherren unzureichende Entwicklungszusammenarbeit zu betreiben. Er könnte all die Staaten direkt ansprechen, deren Herrscher Tyrannen sind und in denen Unrecht geschieht, ungeachtet aller sonst üblicher Diplomatie oder wirtschaftlicher Interessen. Vielleicht wäre eine solche Rede ein schlimmerer Eklat wie Hasstiraden des iranischen Präsidenten, aber ich bezweifle einfach, daß unser Gesandter am Ende seiner Rede vor leeren Stühlen sprechen würde.
Vielleicht wäre auch diese verrückte Idee aufgrund der menschlichen Natur zu Scheitern verurteilt. Aber was wäre, wenn in China ein Mann wie Hitler an die Macht käme? Oder in den Vereinigten Staaten von Amerika? Welche Völker dieser Welt sind auch heute noch bereit, sich von Psychopaten regieren zu lassen, die die Welt erobern wollen? Ich habe keine Antwort - ich habe nur Angst.

Es ist quasi Zufall, daß die Wiedervereinigung der Aufhänger für eine Idee ist, die so einfach und gleichzeitig so utopisch ist, daß ich mich lange fragte, ob ich mich trauen sollte, sie mehr als einigen wenigen mitzuteilen. Aber ich habe nichts zu verlieren. Wenn es einfach nur lächerlich und weltfremd ist, eben diese Welt auf welche Weise auch immer anhalten zu wollen, dann werde ich irgendwann aufhören zu schreiben, und mich anderen Dingen zuwenden. Wenn meine Art zu schreiben allerdings nur für automatische Übersetzer zu kompliziert ist, und wenn ich mit meinen Ideen einen wunden Punkt treffe, dann gibt es keinen besseren Ort als das Internet. Auch ohne paranoid zu sein ist es eine Tatsache, daß zu allen Zeiten Menschen beseitigt wurden, die unliebsame Ideen hatten. Heute scheint dies nur noch für Länder zu gelten, die wir als Diktaturen bezeichnen. Wenn ich jedoch recht damit habe, daß wir dem Diktat des Kapitals unterworfen sind, dann muß ein Großangriff auf eben dieses zwangsläufig irgendwelche Folgen haben. Ich bin zu klein um im Großen groß angreifen zu können. Aber ich glaube einfach nicht, daß ich allein bin. So wenig diese Seite zur Zeit noch Möglichkeiten zur Interaktion bietet, so neugierig bin ich, ob ich nicht vielleicht doch ein Stückchen allgemeine Wahrheit gefunden habe. Und daß wir alle miteinander "Stop" brüllen sollten so laut wir nur können.

Pragmatismus scheint heute das Mittel der Wahl zu sein. Und vielleicht, ja vielleicht ist ja auch alles was ich in den recht seltenen Momenten der Verzweiflung denke, auch einfach nur dummes Zeug. Vielleicht liegt es nicht in unserer Natur, die Welt anhalten zu wollen. Vielleicht will ich es ja nicht einmal selbst. Denn auch ich bin weitaus priviligierter als die allermeisten Menschen auf dieser Welt auch wenn sehr viele sehr viel mehr zu verlieren haben. Aber wann genau beginnt ein Wunsch nach dem Besseren, eine Utopie zu sein? Die Sklaven im alten Rom hätten eine Erklärung allgemeingültiger Menschrechte vermutlich in der Mehrheit für genauso utopisch gehalten wie die meisten ihrer damaligen Herren. Die Vereinten Nationen sind, sieht man nicht mit den geisten Augen von Verschwörungstheoretikern, ein Zeichen dafür, daß wir Menschen es besser machen wollen. Dieses Land, dieser Kontinent und diese Welt sind voll von guten Ideen, guten Vorsätzen und guten Taten. Und so allgemein dieser Satz nun auch sein mag, er ist wohl, egal was man unter dem Begriff des Guten versteht, im Großen und Ganzen wahr. Aber es scheint, als reiche der gute Wille noch nicht aus, um die Welt im Großen zu verändern. Vielleicht sind wir Menschen noch nicht bereit dazu. Und vielleicht werden wir es niemals sein.
Auch wenn ich von diesem Land nicht verlange, die Armut dieser Welt zu beseitigen - eines scheint doch klar zu sein: Sehr glaubhaft wirken wir Deutschen (genauso wie alle anderen Staaten des Erste-Welt-Wohlstandsclubs, für den ein Börsencrash weit bedeutsamer geworden ist als ein Flugzeugabsturz) nicht, wenn wir behaupten, daß wir uns ernsthaft um die Durchsetzung allgemeiner Menschenrechte bemühen. Und ein Land, in dem Sozialhilfe - egal wie hoch sie letzten Endes sein muß um einem Menschen ein würdiges (man ist sich hier wohl nicht recht einig) Leben zu ermöglichen - so hoch sein muß, daß Abermillionen von Menschen (fragt mich nicht, wie viele es sind) ein Jahr lang von dem (würdig?, unwürdig?) leben können, was die paar wenigen hier pro Monat benötigen, muß doch für verlogen gehalten werden. Und genau deshalb habe ich ein Problem mit uns. Ich verlange nicht, daß wir den an der Seite des Weltpolizisten USA den Weltsamariter Germany spielen, auch wenn wir es wohl aus Sicht Mancher historisch gesehen nötig hätten. Alles was ich verlange ist ein wenig mehr Ehrlichkeit. So sehr ich gelernt habe, Kapitalist zu sein, so wenig konnte ich offenbar vergessen, daß mir einst irgendwann einmal die Grundrechte nahe gebracht wurden, Ihre Bedeutung genauso wie ihre geschichtlichen Wurzeln. Und so diskutabel Begriffe wie Würde und freie Entfaltung der Persönlichkeit auch sein mögen, so viel über die Auslegung dieser Grundrechte diskutiert werden mag, ich kann nicht anders, als zu behaupten, daß wir Deutschen diese Grundrechte zum Teil mit Füßen treten. Ich werde diese These an dieser Stelle nicht weiter begründen als ich es bisher schon getan habe. Aber allein die Tatsache, daß unser Verfassungsgericht mehr als genug zu tun zu haben scheint, mag auch den Pragmatiker zumindest davon überzeugen, daß wir uns oft genug am Rand dessen bewegen, was die Väter eben jener Verfassung als Wertgrundsätze dieses Landes festschreiben wollten. Und auch diese Tatsache halte ich für nachdenkenswert.

Nahezu alle Menschen, mit denen ich sprach waren der Überzeugung, daß man als Einzelner die Welt nur durch kleine gute Taten besser machen könne. Und so sehr ich gewillt bin, dieser Aufforderung Folge zu leisten, so sehr bin ich der Überzeugung, daß wir uns in größeren Dimensionen verständigen müssen, um Dinge zu ändern, die sich noch niemals oder nur extrem selten geändert haben. Wann und auf welche Weise wir das tun sollten, kann und sollte kein einzelner Mensch bestimmen. Alles was ich will ist die Frage zu stellen, ob wir es tun sollten oder nicht.